Kurzchronik:
Singverein 1859 Rüdenhausen
Der
Singverein 1859 Rüdenhausen ist geschichtlich gesehen, der
traditionsreichste und damit und damit älteste Verein hier in Rüdenhausen.
Seine Vorgeschichte geht jedoch noch weiter zurück und zwar
nachweislich auf das Jahr 1841. Denn im Zeitalter der Romantik erwachte
vielerorts das Interesse für das Volkslied und es begannen sich in der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere „Gesangsvereine“ zu
bilden.
Schon
recht frühzeitig wurde dieses Interesse in Rüdenhausen und Castell
aufgegriffen und bereits am 15. Juli 1841 wurde eine „Gesellschaft zur
geselligen Unterhaltung für Gesang und Musik“ unter dem Namen
„Liederkranz in Rüdenhausen und Castell“ gegründet. Der
„Liederkranz Rüdenhausen-Castell“ bestand damals aus 21 aktiven und
1 passiven Mitglied. 1.
Vorstand war ein Rüdenhäuser, nämlich der damalige
Herrschaftsrichter, ein Jurist namens
Fürst. Als Musikdirektor fungierte ein Lehrer Sebald aus Castell, der
jedoch sein Amt 1 Jahr später an Lehrer Rummel aus Rüdenhausen abtrat.
Den Posten des Kassiers hatte der Rüdenhäuser Weinhändler namens
Stocker inne. Erbgraf Adolf zu Castell-Rüdenhausen übernahm am 10.
Juni 1844 das Amt des 2. Vorstandes.
Ich glaube man
kann aus diesen Überlieferungen sehr wohl erkennen, dass die Rüdenhäuser
Gesangesbrüder recht aktiv und auch dominant gewesen sein mussten, denn
die Schlüsselpositionen innerhalb des Liederkranzes hatten jedenfalls
die Rüdenhäuser inne. Interessant auch in diesem Zusammenhang, dass im
Vereinsnamen zunächst der Ort Rüdenhausen und danach erst der Ortsname
Castell als Vereinsname gewählt worden ist. Der Liederkranz in Rüdenhausen
und Castell nahm übrigens am „1. Allgemeinen Deutschen Singfest“ am
4.August 1845 mit insgesamt 15 Mitgliedern teil und hatte, so eine
Randnotiz, wochenlang an den zum Teil sehr schweren Chören geprobt.
Am 18. Oktober
1859, nach 18-jährigem gemeinsamen Vereinslebens, kam es zur Trennung
des „Liederkranzes in Rüdenhausen und Castell“. Die Rüdenhäuser
Mitglieder spalteten sich ab und gründeten ihrerseits den
„SINGVEREIN RÜDENHAUSEN“.
Offensichtlich
ging man damals freundschaftlich auseinander, denn gemeinsam feierten
diese beiden Vereine in den Jahren 1861 und 1862 gemeinsame
Stiftungsfeste.
Beide Vereine
nahmen am „Großen Deutschen Sängerfest“ in Nürnberg im Juli 1861
teil und traten auch dem 1862 gegründeten „Fränkischen Sängerbund“
bei.
Gruppenfoto vom Sängertreffen in
Schweinfurt 1890
Schriftliche
Unterlagen über die Gründung des Rüdenhäuser Singvereins 1859 liegen
nicht mehr vor. Überliefert ist jedoch, dass die Vorstandswahlen am 24.
Oktober 1859 stattgefunden haben und der damalige Apotheker Panzerbieter
und der Singleiter mit Namen Treuheit die Leitung des Singvereins, den
diese beiden Personen als Vereinsgründer geführt haben, an den nun am
24. Oktober 1859 erstmals gewählten Vorstand, nämlich dem Rüdenhäuser
Wundarzt Popp übergaben. Die Gründungsmitglieder Panzerbieter und
Treuheit wurden zum Sekretär bzw. Direktor gewählt. Der Singverein zählte
damals 14 Mitglieder.
Nicht
vorenthalten möchte ich eine schriftliche Bekanntmachung des damaligen
Vorstandes, des Wundarztes Popp, der am 5. Oktober1860 folgenden
schriftlichen Aufruf an seine Mitglieder bekannt gemacht hatte: (ich
zitiere dabei wörtlich) Heute
Abend wird, um einem trinkenden und dringendem Bedürfnis abzuhelfen,
die Gesellschaft nach Abtswind zum Wirth Huscher verlegt. Abmarsch
7.Uhr! Da dies gegenwärtig im Vereinslokale verabreicht werdende Bier
kaum zu genießen ist, so werden wohl sämtliche Herren Mitglieder mit
dieser Anordnung einverstanden sein und wird zu zahlreicher Beteiligung
an diesem Ausflug freundlichst eingeladen. –Zitat Ende –
Das
Recherchieren ist also nicht immer nur trockene Sucharbeit, sondern kann
durchaus auch ein Stimmungsbild vor 133 Jahren uns heute noch
vermitteln.
Als
erster Höhepunkt in der Vereinsgeschichte ist die Anschaffung einer
eigenen Vereinsfahne im Jahre 1863 natürlich besonders zu erwähnen.
Den Entwurf und die Gestaltung für die Stickerei hatte der Nürnberger
Kunstmaler Friedrich Carl Hösch, der aus der hiesigen Gegend stammte,
erstellt. Die Kosten für diese Fahne, knapp 280 Gulden, konnten nur
durch Aufnahme zweier Darlehen über insgesamt 220 Gulden beglichen
werden. Der nunmehrige 1. Vorstand Carl Schneider hatte hierzu den
Schuldschein auf seinen Namen ausstellen lassen und es dauerte einige
Jahre, bis die Vereinsmitglieder den Stolz des Singvereins, nämlich die
schöne Vereinsfahne, endlich abgestottert hatten. Die Vereinsfahne
wurde am 16. Juli 1863 gefeiert. Bereits um 15.00 Uhr zog man zum „Döller´schen
Sommerkeller“; wo bis 20.00 Uhr Musik- und Gesangesvorträge zu hören
waren. Den Abschluss der Fahnenweihe bildete ein großer Ball.
Was aber noch vollständig erhalten ist, sind die Statuten des Rüdenhäuser
Singvereins vom 24. Januar 1863, d.h. die Vereinssatzung aus dem Jahre
1863. Und hierin wurde der Stiftungstag auf den 3. September festgelegt.
In §1 dieser Statuten haben unsere Vorfahren den Zweck des Vereins mit
1.
Fortbildung im Gesang
2.
Gesellige Unterhaltung
herausgestellt und festgeschrieben.
Um in diese damalige Zeit sich zurückversetzen zu können, muss man
sich einfach mal ein paar Bestimmungen vor Augen halten, die ich Ihnen
wie folgt darlegen möchte:
Wer als aktives Mitglied in den Singverein einzutreten begehrte, der
hatte sich einer Singprüfung vor dem Musikdirektor (Chorleiter) zu
unterwerfen.
Interessant auch der Umstand, dass der Jahresmitgliedsbeitrag für
passive Mitglieder 3 ½ Gulden
und für aktive Mitglieder 2 ½ Gulden betrug. d.h. die passiven
Mitglieder einen höheren Mitgliedsbeitrag zu zahlen hatten. Selbst 1920
wurden noch unterschiedliche Mitgliedsbeiträge festgelegt.
Wie
streng die Gebräuche damals waren, zeigt auch die Tatsache, dass jedes
aktive Mitglied, welches der Sangesprobe unentschuldigt fern blieb,
jedes Mal 6 Kronen in die Vereinskasse zu entrichten hatte. Und wer bei
den wöchentlichen Proben oder bei der Generalprobe fehlte, durfte bei
der Aufführung keinen aktiven Anteil nehmen. (der war zum Zuhörer und
Zuschauer degradiert worden) Protokollaufzeichnungen liegen uns erst
seit dem Jahre 1891 vor. Erwähnenswert, dass man seit dem Jahre 1903
ein Klavier besessen hatte,
welches, so die Einträge im Kassenbuch, gegen eine entsprechende Gebühr
an andere Vereine verliehen worden ist. Überhaupt bleibt festzustellen,
dass sich unsere Gesangesbrüder nicht nur in der Gesangeskunst übten,
sondern regelmäßig Theateraufführungen sowie Tanzveranstaltungen
(Maskenbälle) abgehalten haben. Ein reges geselliges Leben spiegeln
insoweit die damaligen Aufzeichnungen wider. Denn unsere Vorfahren
verstanden es immer recht trefflich die Sangeskunst mit der Geselligkeit
in Einklang zu bringen.. Denn bei den entsprechenden Festlichkeiten,
waren es Geburtstagsfeiern, Hochzeitsfeste, silberne Hochzeitstage oder
auch Vereinsausflüge zu Sängerfesten gewesen, es wurde jedenfalls
immer kräftig gefeiert, die Geselligkeit gepflegt und recht früh am nächsten
Morgen der Heimweg angetreten. Anlässe und Festlichkeiten habe es
jedenfalls genügend gegeben. So sang unser Singverein auch den Begrüßungschor
am 28. September 1905 anlässlich des festlichen Einzuges S. E. des
Erbgrafen Kasimir zu Castell-Rüdenhausen und I. E. der Erbgräfin
Mechthild zu Castell-Rüdenhausen. 25 Jahre später wurde anlässlich
der Silberhochzeit des Fürstenpaares natürlich ebenfalls gesungen und
auch kräftig gefeiert, so jedenfalls die Überlieferungen. Das 50-jährige
Stiftungsfest wurde am 13. Juni 1909, einem sehr regnerischen Tag,
gefeiert.
Am
3. Juli 1910 anlässlich der Fahnenweihe in Stierhöfstetten hat unser
Singverein das Patenamt übernommen.
Anlässlich
der Fahnenweihe am 1. Juni 1924 in Abtswind hat unser Singverein
ebenfalls die Patenstellung übernommen.
Als
Musikdirektoren oder besser gesagt als Chorleiter fungierten übrigens
ausschließlich die an der Rüdenhäuser Schule tätig gewesenen
Schullehrer. Als letzter Chorleiter vor dem 2. Weltkrieg fungierte der Rüdenhäuser
Lehrer Lorenz Meyer ab dem Jahre 1936. Während des 2. Weltkrieges, wie
auch schon während des 1. Weltkrieges, ruhte das Vereinsleben und
hinterließ neue, tiefe Wunden. Denn viele Vereinsmitglieder mussten ihr
Leben lassen und kehrten nicht mehr heim. Der letzte Protokolleintrag
vom 10.6.1940 verdeutlicht dies und legt dar, dass Willy Neubert, am
5.6.1940 als 2. Kriegsopfer der Gemeinde den Heldentod gestorben ist.
Wilhelm
Lamprecht, der seit dem 23.1.1932 (als 16-Jähriger) als aktives
Mitglied dem Singverein Rüdenhausen bereits angehört, war es dann zu
verdanken, dass nach 51-jähriger Ruhezeit der Singverein wieder zu
Leben erweckt worden ist. Wilhelm Lamprecht, er war der Motor und
Antreiber zugleich, ja seine unermüdliche Einsatzbereitschaft hat
letztlich dazu geführt, dass am 20. Juni 1991 der Singverein Rüdenhausen
wieder belebt worden ist. Es handelte sich hierbei um keine Neugründung,
da der bisherige Singverein ja bekanntlich niemals durch
Mitgliederbeschluss aufgelöst worden war.
Dem
Aufruf durch die Ortsrufanlage waren am 14. Juni 1991 insgesamt 18
interessierte Sangesbrüder und am 20. Juni 1991 insgesamt 29 Sangesbrüder
gefolgt. Der Grundstein und der Anfang für eine Widerbelebung des
Singvereins war damit gemacht. Zum 1. Vorsitzenden wurde das nunmehr älteste,
aktive Mitglied, nämlich Wilhelm Lamprecht gewählt. Matthias Graf zu
Castell-Rüdenhausen wurde damals zum 2. Vorstand gewählt. Als
Chorleiter konnte Herr Theobald Blüchel aus Ebrach gewonnen werden, übrigens
wie auch seine Amtsinhaber zuvor, vom Berufsbild gesehen ebenfalls ein
Lehrer, so dass diese gängige Vereinstradition durch seine Person eine
traditionsverbundene Fortsetzung gefunden hat.
Als
ein vorläufig letzter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte ist der 29.
August 1992 besonders zu erwähnen. Denn an diesem Tage wurde dem
Singverein in einem feierlichen Festakt die neue Vereinsfahne durch den
Fahnenstifter S. D. Fürst Siegfried zu Castell-Rüdenhausen übergeben.
(Der Vorstand musste nicht, wie sein Vorgänger vor genau 130 Jahren,
somit diesmal keinen Schuldschein auf seinen Namen ausstellen lassen)
Wegen
der Nutzbarkeit, wegen der Strapazierbarkeit erschien eine Restaurierung
der 1991 wieder aufgefundenen alten Fahne nicht mehr zweckmäßig und
wurde vielmehr eine neue Vereinsfahne, als Vorlage und Muster diente natürlich
die alte Vereinsfahne aus dem Jahre 1863 dem Singverein durch S. D. Fürst
Siegfried zu Castell-Rüdenhausen geschenkt.
Seit der Neugründung
des Männerchores gehört er zu
den aktiven Vereinigungen von Rüdenhausen. Bei festlichen
Anlässen darf der Singverein nicht fehlen.
Auch im Landkreis Kitzingen hat er einen guten Ruf und wird zu Sängerfesten
und Jubiläen regelmäßig eingeladen. Nachdem Graf Matthias von Rüdenhausen
nach Hamburg zog, übernahm sein Bruder Rupert für einige Jahre das
Zepter der Vereinsführung. Nach ihm wurde Reiner Bachner zum 1.
Vorsitzende gewählt, der sich zum Bedauern aller Sänger nicht mehr zur
Wahl stellte. Seit dem 1.
April 2005 steht Graf Karl zu Castell-Rüdenhausen an der Spitze des
Vereins. Alle zwei Jahre veranstalten die Sänger das Schlossparksingen,
was auf eine sehr alte Tradition zurück zu führen ist, wie man in der
Vereinschronik nachlesen kann. Befreundete Chöre aus dem Umkreis werden
dazu eingeladen vor dem alten Schloss im Schatten der Linde zu singen.
Freundschaftliche Bande werden seit der Neugründung zum Chor nach
Laubach in Oberhessen gepflegt. Aus Laubach stammt Fürstin Irene zu
Castell-Rüdenhausen, die bereits in den sechziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts immer wieder eine Wiedergründung des
Singvereins wünschte.
Im
Dezember 2005 veranstaltete der Singverein einen Konzertabend mit der
Blaskapelle Altmannshausen, dessen Höhepunkt ein gemeinsamer Auftritt
der Sänger mit der Musikkapelle bildete. „Die Himmel rühmen“ und
der „Jägerchor“ aus der Oper der Freischütz von Carl-Maria von
Weber kamen beim Publikum sehr gut an. Im Jahre 2006 stehen wieder
einige Auftritte an: so werden die Rüdenhäuser Sänger am 18. März in
Kleinlangheim und am 1. April in Altenschönbach sowie am 13. Mai beim
Dreifrankensingen in Ebrach mitwirken. Am 10. März wird das
Dreifrankensingen in Rüdenhausen abgehalten.
Die
Geselligkeit wird bei den Sangesbrüdern „groß“ geschrieben. So ist
es nicht nur Sitte nach der Probe am Donnerstagabend ins Wirtshaus zu gehen,
sondern auch bei runden Geburtstagen
Ständchen zu singen. Einmal jährlich findet im Weinkeller von
Graf Karl ein Schlacht- bzw. "Knöchleessen" für alle aktiven und
passiven Mitglieder statt. An der großen Faschingssitzung in
Rüdenhausen wirkt in diesem Jahr zum ersten mal ein Teil des Chores
unter dem Namen „die Zwölf-Zylinder“ mit.